Drei Jahre Haft nach Geständnis

Drei Jahre Gefängnis – so lautet das Urteil gegen einen geständigen 25-Jährigen, der wegen Kreditkartenbetrugs vor dem Landgericht angeklagt war. Den längsten Teil der Verhandlung nahm wohl das Verlesen der Anklageschrift in Anspruch: 74 Einzeltaten warf Staatsanwältin Angela Haas dem Angeklagten vor.Der Lette war im September vergangenen Jahres nach Deutschland gereist – nach eigenen Angaben, um Urlaub zu machen und die Kultur hierzulande kennenzulernen – und hatte innerhalb von einer Woche mit vier gefälschten American Express-Karten tüchtig eingekauft. Dabei handelte es sich um Waren wie Alkohol und Zigaretten, die er in Tankstellen an verschiedenen Orten, darunter Mannheim, Ludwigshafen, Worms, Frankfurt oder Mainz, erwarb. Dem Kreditkartenunternehmen entstand ein Schaden von rund 7500 Euro.

Ware an Imbisse weiterverkauft

Die Karten hatte der Mann in seinem Heimatland per Internet bestellt, sie waren auf seinen Namen ausgestellt, ausgestattet allerdings mit Daten anderer Kreditkartenkunden. Die bei seinen „Shopping-Touren“ erstandene Ware habe der Angeklagte zum großen Teil an Imbisse weiterverkauft, sagte sein Anwalt Christoph Rühlmann. Schon im Vorfeld der Verhandlung hatte der Rechtsanwalt mit der Staatsanwaltschaft und dem Vorsitzenden Richter Ralf Glenz über das Strafmaß im Falle eines Geständnisses verhandelt. Drei Jahre und sechs Monate beantragte Staatsanwältin Haas, auf drei Jahre, die ausgehandelte Untergrenze, plädierte Rühlmann.

Sein Mandant legte ein umfassendes Geständnis ab. Nur zwei der Delikte, Kartenmissbräuche in Hamburg, könne er nicht begangen haben. „Die Distanzen sind zu groß, da hätte er fliegen müssen“, so Anwalt Rühlmann. Von der Strafkammer schuldig gesprochen wurde der Angeklagte in 68 Fällen, denn einige Delikte wurden zusammengezogen.

Das Geld, das der 25-Jährige durch den Weiterverkauf der Ware ergaunert hat, ist weg. Er habe es beispielsweise in Diskotheken „verballert“, so sein Anwalt. Der Angeklagte hatte in Lettland als Taxifahrer gearbeitet, nachdem er sein Management-Studium wegen finanzieller Probleme abbrechen musste .. Straffällig war er zuvor nicht. Seit Ende September sitzt er in Mannheim in Untersuchungshaft. Nach der Hälfte der insgesamt dreijährigen Haft wird er gegebenenfalls in sein Heimatland abgeschoben. akj

Quelle: Mannheimer Morgen, www.morgenweb.de, 17.03.2010